Doppeltes Saison-Highlight im hohen Norden

26.08.2019
In Kellinghusen kämpfen die Löwinnen und Löwen um Edelmetall

Auf dem Sportplatz an der Eichenallee im faustballverrückten Kellinghusen, hoch droben im Norden gleich hinter Hamburg, findet am nächsten Wochenende die Endrunde um die deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen statt. Wie schon vor einem Jahr sind beide Calwer Bundesliga-Teams dabei und kämpfen um die Medaillen. In Moslesfehn 2018 hatten die Männer überraschend Bronze gewonnen, die Frauen gingen ähnlich überraschend leer aus.
Nun werden die Karten neu gemischt. Unsere Löwinnen gehen als Süd-Meisterinnen und in dieser Feldsaison ungeschlagen ins Rennen und gelten für viele Beobachter als Favorit aufs Erreichen des Endspiels. Dazu muss aber ein Halbfinalerfolg her – gegen den Sieger der Begegnung zwischen Rekordmeister Ahlhorner SV und TV Segnitz. Weitere Teilnehmer sind Nord-Meister TV Jahn Schneverdingen, der TSV Dennach und Gastgeber VfL Kellinghusen.
Im Männer-Wettkampf sind die Calwer als Süd-Dritte in der Außenseiterrolle. Sie treffen auf den Nord-Zweiten TSV Hagen 1860 und müssen gewinnen, um unter die Top-4 zu gelangen. Dort würde im Halbfinale der Top-Favorit TSV Pfungstadt warten. Los geht’s für die Mannen von Trainer Thomas Stoll am Samstag um 13 Uhr. Direkt im Anschluss um 14 Uhr greifen die Frauen um Henriette Schell und Stephanie Dannecker ins Turnier ein.

Raphael ist WM-Vierter

19.08.2019
Bittere Niederlagen am Ende des Turniers in Winterthur


Mit Spezi, Dozi, NZL-Akteur: Viel Zeit zum Trübsal blasen blieb Raphael Schlattinger (in Rot) nicht. Seine Fans bauten den Schweizer schnell wieder auf.
 

Das hatten sich die Schweizer Faustball-Fans und auch der Calwer Anhang von Raphael Schlattinger anders vorgestellt. Der Angreifer des TSV kam ohne die erhoffte Medaille von der Weltmeisterschaft in seiner eidgenössischen Heimat zurück. In Winterthur landete das Team Swiss nach drei Niederlagen in Folge auf dem vierten Platz, Deutschland wurde Weltmeister vor Österreich und Brasilien.

Mit der Rekordbeteiligung von 18 Nationen wurde die WM zu einem wahren Faustballfest. Nach sicheren 3:0-Siegen gegen Chile und die USA, einem 3:1 gegen Mitfavorit Brasilien und einem erneuten 3:0 gegen Argentinien hatten die Schweizer locker das Viertelfinale erreicht, doch dort gab es gegen Österreich einen herben 0:3-Dämpfer. So mussten die Einheimischen nach dem 3:0 über Italien (Double Elimination) gegen Deutschland ins Halbfinale und scheiterten ebenfalls deutlich (0:3). Die Enttäuschung war riesig, die Spannung wie verflogen und so war auch gegen Brasilien im zweiten Aufeinandertreffen dieses Turniers nichts zu machen: 0:4.

Viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt Raphael aber nicht. Schon am übernächsten Wochenende steht der Saisonhöhepunkt mit seinem TSV Calw auf dem Programm, die Deutsche Meisterschaft in Kellinghusen (31. August und 1. September).
 

Nach der ersten Pause ging nichts mehr

03.08.2019
4:5-Niederlage des TSV Calw zum Bundesliga-Abschluss gegen TV SW-Oberndorf

Hervorragende Bedingungen, viele Zuschauer, neun Sätze Spitzensport und eine klare 3:0-Führung: der letzte Spieltag der Faustball-Bundesliga Süd hätte so schön sein können für den TSV Calw. Dann kam ein Leistungsknick – und der Gegner aus Schweinfurt drehte das Spiel.

TSV Calw – TV SW-Oberndorf 4:5 (11:6, 13:11, 11:6, 5:11, 1:11, 9:11, 10:12, 11:7, 4:11)

Die Voraussetzungen, um mit einem Sieg den zweiten Tabellenplatz zu sichern, waren schon vor Spielbeginn gut, denn bei den Franken aus dem Schweinfurter Stadtteil Oberndorf fehlte der 2-Meter-Angreifer Oliver Bauer. Die „Löwen“ kamen vor den Augen von Bundestrainer Olaf Neuendorf in Bestbesetzung auf den Platz – mit Raphael Schlattinger, Dennis Gruber (Angriff), Philipp Kübler (Zuspiel), Lukas Gruner und Nick Stoll (Abwehr) – und gaben Vollgas. Die Abwehr hatte kaum Probleme mit den wenig druckvollen Angriffen des TV SW-Oberndorf, Schlattinger punktete fast nach Belieben: mal hart, mal zart.

11:6 ging der erste Durchgang an die Hessestädter, 6:2 führten sie im zweiten Satz. Dann stellten die Gäste um: Fabian Sagstetter (28), der wohl kompletteste Faustballer weltweit, Kapitän der Nationalmannschaft mit 75 Länderspielen, Welt-, Europameister, World Games-Sieger, verlegte seinen Regisseursplatz von der defensiven Mitte nach vorn. Seine zentrale Position übernahm von nun an der an diesem Tag überragende Jaro Jungclaussen und schon lief es. 7:8 lagen die Calwer auf einmal zurück, das Publikum erlebte ein knallhartes Duell der beiden Stars Schlattinger und Sagstetter und in der Verlängerung blieben die Calwer obenauf. Nachdem auch der dritte Durchgang mit 11:6 (nach 6:6-Zwischenstand) an das Heimteam ging, schien das Match einen klaren Verlauf zu nehmen.

Nach der 10-Minuten-Pause, die nach jeweils drei Sätzen ansteht, und nachdem die Calwer umstellten, um den kürzlich noch kranken Dennis Gruber zu schonen, lief plötzlich nichts mehr. Die eigentlich erprobte Variante mit dem eingewechselten Mathias Zierer in der Abwehr und dem auf den Zweitschlag vorgezogenen Philipp Kübler (Nick Stoll in der Mitte) zündete diesmal nicht. In der Abwehr häuften sich Fehler und Abstimmungsprobleme, Schlattinger gelang nicht mehr viel. Im Gegenzug kamen die Schweinfurter ins Rollen. Sagstetter zeigte Weltklasse-Faustball, Jungclaussen lenkte souverän das Spiel von der Grundlinie aus und punktete auch mehrmals. Die Calwer verloren ihre Linie, bekamen im fünften Satz einen „Streifen“ (1:11), kamen danach aber fast wieder heran und mussten doch den Satzausgleich einstecken. Danach setzte TSV-Coach Thomas Stoll wieder auf Gruber (für Nick Stoll) und seine Männer führten 8:6, dann verspielte die Defensive die Führung und die Franken bedankten sich. Als die Hoffnung auf dem Nullpunkt zu sein schienen, drehte Calw noch mal auf, ging 9:3 in Führung und glich zum 4:4 nach Sätzen aus.

Doch im entscheidenden Durchgang das gleiche Bild wie zuvor: Abwehrschnitzer auf Calwer Seite, starke Aktionen beim Gast: 0:4, 3:8 und 4:11 lauteten die Stationen zur 4:5-Niederlage aus TSV-Sicht. Oberndorf zog mit dem Auswärtssieg noch an Calw auf Tabellenplatz 2 vorbei und trifft bei der Meisterschafts-Endrunde am 31. August und 1. September in Kellinghusen auf den Gastgeber VfL. Calw tritt gegen den Nord-Zweiten TSV Hagen 1860 an und wird sich deutlich steigern müssen, um sich den Halbfinal-Traum wie im Vorjahr erneut zu erfüllen.

Stimmen
Thomas Stoll, Trainer TSV Calw: „Der Bruch nach der klaren Führung ist unerklärbar. Nichts hat mehr funktioniert. Der Gegner hat sich gesteigert, wir waren verkrampft. Nun haben wir bei der DM den etwas schwereren Weg, aber wer weiß, wofür es gut ist.“
Dennis Gruber, TSV Calw: „Wir haben gut zusammengespielt, der Gegner hat es uns aber auch leicht gemacht. Nach der Pause kam ein Knick in unser Spiel und wir konnten uns nicht mehr fangen. Schweinfurt hat sich extrem gesteigert und wir machten ärgerliche Fehler. Wenn du Zweiter in der Südstaffel werden willst, darf das einfach nicht passieren.“
Fabian Sagstetter, TV SW-Oberndorf: „Das war ein Spiegelbild zum Vorjahr, da hatten wir im letzten Spiel gegen Calw noch Platz 2 abgegeben. Wir haben uns nach dem deutlichen Rückstand wachgerüttelt, brachten die ersten Bälle schon weit vor und hatten super Zuspiele. Aber Calw hat heute das Spiel selbst verloren.“