Frauen 1, 1. Bundesliga Süd



23.06.2019
Südmeister mit blütenweißer Weste
Am vorletzten Spieltags-Wochenende (22./23. Juni) mussten die Calwer Bundesliga-Löwinnen nur noch den Sack zumachen, um die Südstaffel als Erste zu beenden und damit einen Halbfinalplatz bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft in Kellinghusen zu ergattern. Das gelang weitgehend souverän. Vier Siege, davon zwei gegen den zu diesem Zeitpunkt Tabellendritten TV Unterhaugstett auf der Sportanlage des TVU, und Platz 1 war eingetütet.
22. Juni in Unterhaugstett: TV Unterhaugstett – TSV Calw 0:3 (8:11, 8:11, 8:11), TSV Calw – TV Unterhaugstett 3:2 (11:4, 11:7, 10:12, 11:13, 11:5).
23. Juni in Calw: TSV Calw – FSV Hirschfelde 3:0 (11:5, 11:2, 11:3), TSV Calw – TSV Pfungstadt 3:0 (11:5, 11:5, 11:3).
In der Kurpfalz beendeten die Calwerinnen ihre bislang beste Saison in der 1. Bundesliga Süd. Bei diesem Spieltag stand aber weniger der Gastgeber aus dem Mannheimer Stadtteil Käfertal im Blickpunkt, als vielmehr das Duell der beiden dominierenden Teams der vergangenen Jahre in Süddeutschland. Für die beiden Rivalen ging es nur noch ums Prestige und für die Calwerinnen dabei vor allem darum, die Saison ohne Niederlage zu beenden. Das gelang mit einem – wie schon im Hinspiel – umkämpften 3:2-Sieg gegen den letztjährigen und vielfachen Meister. Gegen den TV 1880 Käfertal war der Sieg trotz eines Satzverlustes nie in Gefahr.
30. Juni in Mannheim: TSV Dennach – TSV Calw 2:3 (7:11, 11:5, 9:11, 13:11, 8:11), TV 1880 Käfertal – TSV Calw 1:3 (11:9, 3:11, 6:11, 2:11).
Mit herausragenden 32:0 Punkten (48:7 Sätze) fahren unsere Löwinnen nun als einer der Top-Favoriten zur Deutschen Meisterschaft am 31. August und 1. September in Kellinghusen/Schleswig-Holstein.

26.05.2019
Calw gewinnt das Duell der Meisterinnen und schlägt Käfertal deutlich
 
Der am Vortag noch tief getränkte und vom Männer-Spieltag malträtierte Faustballplatz in Altburg zeigte sich nach trockener Nacht erholt, so dass das Spitzenspiel der Bundesliga-Frauen unter guten Bedingungen stattfinden konnte. Nach fünf umkämpften Sätzen jubelten die Calwerinnen, die mit dem 3:2 gegen den TSV Dennach die Basis für die Süd-Meisterschaft legten. Der TV 1880 Käfertal bekam, wie erwartet, von den Top-Teams Anschauungsunterricht.
 
TSV Calw – TSV Dennach 3:2 (13:11, 11:9, 8:11, 7:11, 11:6)
Der Gast aus dem Enzkreis musste auf Zweitangreiferin Fenja Stallecker verzichten, dafür rückte die junge Elena Kull in die Startaufstellung neben den gesetzten Sonja Pfrommer, den Aldinger-Schwestern Annkatrin und Anna-Lisa sowie Laura Schinko. Auf Calwer Seite kamen der Paradeangriff Henriette Schell / Stephanie Dannecker, Lisa Kübler (Mitte), Sandra Janot und das junge Talent Anna Winkler zum Zug. Den besseren Start hatten die Gastgeberinnen. Sie gingen 4:2 in Führung, gaben dann fünf Bälle in Folge ab, weil Sonja Pfrommer konzentriert abschloss und Steffi Dannecker Stockfehler unterliefen (4:7). Henriette Schell, die unbekümmerte 20-Jährige, übernahm den Ball und die Kontrolle über das Match: Calw holte auf, wehrte zwei Satzbälle ab und verwandelte zum 13:11. Auch danach waren die Hessestädterinnen in der Verfolgerrolle (1:4) und drehten erneut, trotz starker Pfrommer-Services, den Satz.
 
Dennachs Trainer Kuno Kühner ließ hinter Sonja Pfrommer mehrmals rotieren und im dritten Durchgang fand sein Team bei Satzmitte (5:4 für Calw) den Dreh – fünf Ballgewinne in Serie sorgten für den Anschluss. Auch der vierte Satz verlief spannend und mit Auf und Ab der Gefühle. Erneut leisteten sich die Calwer ihre „Auszeit“, gaben vier Bälle ab, weil die Defensive der „Pink Ladies“ wie eine Mauer stand und DM-reif abwehrte. Im entscheidenden fünften Durchgang punktete neben der einmal mehr bärenstarken Henriette Schell auch Weltmeisterin Dannecker mehrmals, ein 6:3 zum Seitenwechsel entsprach der Vorentscheidung. Konzentriert spielte der deutsche Hallenmeister das Duell mit dem deutschen Feldmeister zu Ende.
 
Elke Schöck, Trainerin des TSV Calw: „Wir ließen es zu, dass Dennach gut aufbauen konnte und eine Sonja Pfrommer lässt sich selten eine Chance entgehen. Trotzdem haben wir die ersten Sätze gewonnen. Danach hat unser Gegner den Kampf angenommen und wir nicht mehr gegengehalten. Elena Kull und Anna-Lisa Aldinger haben ein starkes Spiel gezeigt. Zum Glück haben wir im letzten Satz wieder in die Spur gefunden. Mit diesem Sieg sind wir im Rennen um die Süd-Meisterschaft. Wir müssen jetzt jede weitere Begegnung ohne Satzverlust gewinnen, dann können wir uns in Dennach beim Rückspiel auch eine knappe Niederlage leisten.“
 
Eine Vorgabe, die Schöcks Schützlinge gegen Aufsteiger Käfertal gleich umsetzten. Nachdem der TSV Dennach die Mannheimerinnen mit 3:0 (11:2, 11:6, 11:5) abgefertigt hatte, durften die Calwerinnen ran. Leonie Pfrommer, die tags zuvor für die U18-Europameisterschaft im August nominiert wurde, und Laura Flörchinger bekamen ihre Einsätze, Calw schlug den TV 1880 Käfertal 3:0 (11:3, 11:5, 11:6).
 

19.05.2019
Calwerinnen bleiben „top“ – zwei klare Siege in Sachsen

Was sind schon sechs Stunden Anreise, wenn man mit voller Ausbeute im Gepäck wieder nach Hause fahren darf? Im fernen Hirschfelde behielten die Calwer Faustballerinnen ihre blütenweiße Weste und blieben ohne Satzverlust.
FSV Hirschfelde – TSV Calw 0:3 (4:11, 8:11, 5:11)

Trainerin Elke Schöck blieb ihrer Taktik treu: zwei Spiele, zwei unterschiedliche Aufstellungen in der Abwehr. Hinter dem bewährten Angriffs-Duo Stephanie Dannecker und Henriette Schell sowie der routinierten Zuspielerin Lisa Kübler kamen, einen Steinwurf von Neiße und Polen entfernt, die „new kids on the block“ zum Zug: die 18-jährigen Leonie Pfrommer und Anna Winkler. Beide gelten als Riesentalente und sie ließen auch fast keinen Ball durchrutschen. Da die „Löwinnen“ die Warnungen ihrer Trainerin vor den routinierten, kämpferischen Sachsen-Frauen ernst nahmen, konnte eigentlich nichts anbrennen. Tat es auch nicht: Calw demonstrierte sein aktuelles Niveau und gewann.

TSV Calw – TSV Pfungstadt 3:0 (11:9, 11:4, 11:4)

Auch der TSV Pfungstadt sollte im Anschluss keine große Hürde darstellen. Mit den Bundesliga-erfahrenen Samantha Lubik und Sandra Janot in der Defensive sollte erneut der TSV Calw seiner Favoritenrolle gerecht werden. Abgesehen vom ersten Satz, in dem einige Eigenfehler der Schwäbinnen die Hessinnen kurz von einem Überraschungsgewinn träumen ließen, spulte der Tabellenführer sein Programm ganz souverän herunter.

Lisa Kübler fasste die Kurzeinsätze im Landkreis Görlitz zusammen: „Wir dachten, dass es gegen Gastgeber Hirschfelde schwieriger wird. Aber wir kamen schnell ins Spiel und hatten den Gegner jederzeit im Griff. Beim TSV Pfungstadt hat uns Angreiferin Teresa Spadinger mit guten Angaben ganz schön beschäftigt, so dass wir uns richtig anstrengen mussten. Aber die Abwehr wurde immer sicherer, der Rest war Formsache.“

Am nächsten Sonntag ab 11 Uhr kommt es in Calw zum Spitzenduell mit dem TSV Dennach, also deutscher Hallenmeister gegen deutscher Feldmeister. Zweiter Gegner ist der Außenseiter TV 1880 Käfertal. Lisa Kübler: „Gegen die Mannheimerinnen wollen wir keinen Satz abgeben. Und den Dennacherinnen werden wir nach dem Super-Saisonstart mit großem Selbstbewusstsein gegenübertreten. Mal schauen, was dabei herauskommt.“

05.05.2019
TSV Calw setzt Zeichen: Start als Tabellenführer

Vier Punkte aus den Auftaktbegegnungen waren das vorgegebene Ziel von Trainerin Elke Schöck an ihre Schützlinge, die Bundesligafrauen. Und auf dem Papier waren die deutschen Hallen-Meisterinnen beim Gastspiel in Segnitz gegen den TVS sowie gegen TV Oberndorf klarer Favorit. Doch vor allem Neuzugang Svenja Schröder beim Gastgeber sorgte dafür, dass die Calwerinnen mit Respekt nach Unterfranken fuhren. Zurück kamen sie entspannt, mit 4:0 Punkten und deutlichen 6:0 Sätzen im Gepäck.

TV Obernhausen – TSV Calw 0:3 (4:11, 5:11, 3:11)
Nachdem Segnitz den TV Obernhausen 3:0 abgefertigt hatte, durften die Calwerinnen gegen den TVO aus dem Enzkreis ran. Elke Schöck setzte, wie schon in der erfolgreichen vergangenen Hallenrunde, erst einmal auf eine besonders junge Formation hinter dem Parade-Angriff mit Stephanie Dannecker und Henriette Schell: Laura Flörchinger (Zuspiel), Adina Stoll und Leonie Pfrommer (beide Abwehr), Talente aus der erfolgreichen Jugendarbeit, gingen von Beginn an konzentriert zu Werke. Die drei Teenager holten einen Ball nach dem anderen heraus und obwohl der Platz nicht leicht zu spielen war, brachte Laura Flörchinger die Bälle zuverlässig nach vorne. Das derzeit wohl beste Angriffspaar Dannecker/Schell punktete nach Belieben mit starken Angaben und im Rückschlag. Im dritten Satz gelang Obernhausen erst bei 0:7-Rückstand der erste Punkt.

TV Segnitz – TSV Calw 0:3 (8:11, 7:11, 8:11)
Gegen den TV Segnitz mit seiner neuen Weltmeister-Angreiferin Svenja Schröder, vom TV Eibach 03 gekommen, stellte Elke Schöck ihr Team um auf die „erfahrene Variante“ – mit Lisa Kübler in der Mitte und Sandra Janot auf der rechten Abwehrseite. Links kam erstmalig in der Bundesliga ein weiteres Nachwuchstalent zum Einsatz: Anna Winkler führte sich gleich bestens ein. Das Quintett aus Calw stand kompakt auf dem Spielfeld und wehrte viele der hart geschlagenen Schröder-Angriffe ab. Die Angreiferinnen der „Löwinnen“ punkteten zuverlässig und erarbeitete sich mit einer durchweg konzentrierten Leistung einen hochverdienten klaren Sieg.

„Das war ein perfekter Start in die Runde und unsere Youngster haben gezeigt, dass sie in die 1. Bundesliga gehören“, freute sich Elke Schöck nach dem gelungenen Einstieg. „Nächsten Sonntag spielen wir zuhause gleich zwei Mal gegen den SV Tannheim“ (Hin- und Rückspiel ab 11 Uhr nacheinander). Dann wird auch die erfahrene Samantha Lubik zum Team dazustoßen. Parallel dürfen am Altburger Aischbach, ebenfalls ab 11 Uhr, auch die Calwer Frauen II ran: Sie treffen bei ihrem Zweitliga-Debüt nach dem vorjährigen Aufstieg auf den ASV Veitsbronn II sowie auf dem TSV Schwieberdingen.

Spieltage Feldrunde 2019, 1. Bundesliga Süd
Sonntag, 5. Mai, in Segnitz: TV Obernhausen – TSV Calw 0:3 (4:11, 5:11, 3:11), TV Segnitz – TSV Calw 0:3 (8:11, 7:11, 8:11)
Sonntag, 12. Mai, 11 Uhr in Calw, TSV Calw – TV Tannheim (Hin- und Rückspiele)
Sonntag, 19. Mai, 11 Uhr in Hirschfelde, FSV Hirschfelde – TSV Calw – TSV Pfungstadt
Sonntag, 26. Mai, 11 Uhr in Calw, TSV Calw – TSV Dennach – TV 1880 Käfertal
Sonntag, 16. Juni, 10 Uhr in Waldrennach: TV Obernhausen – TSV Calw – TV Segnitz
Samstag, 22. Juni, 15 Uhr in Unterhaugstett: TV Unterhaugstett – TSV Calw (Hin- und Rückspiele)
Sonntag, 23. Juni, 11 Uhr in Calw: TSV Calw – FSV Hirschfelde – TSV Pfungstadt
Sonntag, 30. Juni, 11 Uhr in Mannheim: TV 1880 Käfertal – TSV Dennach – TSV Calw
6. + 7. Juli, Women's Champions Cup in Österreich
20. + 21 Juli, Europameisterschaft Frauen und U21 männlich in Tschechien
31. August + 1. September, Deutsche Meisterschaften Männer, Frauen, U12 in Kellinghusen

28.04.2019
„Flow der Hallenrunde mitnehmen“
Calwer „Löwinnen“ starten beim starken TV Segnitz in die Faustball-Bundesliga

Elke Schöck haut so schnell nichts um. Doch die erfahrene frühere Faustballerin und heutige Trainerin des TSV Calw weiß, dass der Bundesliga-Start am Sonntag „kein Selbstläufer“ für den deutschen Meister der letzten Hallenrunde ist.

„Den TV Oberndorf darf man nie unterschätzen, sie erwischen manchmal einen Sahnetag und dann wird es schwer“, sagt sie. Und der TV Segnitz, nominell bislang nicht zu den Top-Teams in Deutschland gehörend? „Das wird sich jetzt ändern, denn nach dem Rückzug des TV 03 Eibach ist Weltmeisterin Svenja Schröder, eine der herausragenden Faustballerinnen, nach Segnitz gewechselt.“ Die Unterfränkinnen aus dem Main-Dreieck sind mit den jungen, großgewachsenen Schröder und Luise Kaemmer sowie der kämpferischen Abwehr ein Anwärter für die begehrten Top-3-Plätze in der Bundesliga Süd, die für die DM-Endrunde garantieren.

„Natürlich, der TSV Dennach ist und bleibt ein Favorit auf Platz 1 und mit Segnitz ist ein neuer Rivale im Rennen“, so Schöck. „Aber auch wir setzen uns die Südmeisterschaft als Ziel.“ Dies ist schließlich gleichbedeutend mit dem Halbfinaleinzug bei der deutschen Meisterschaft, die am 31. August und 1. September in Kellinghusen/Schleswig-Holstein stattfindet. Zwischen den genannten drei Teams und dem Rest der 1. Bundesliga Süd klafft, so glaubt Elke Schöck, eine Lücke. „Die Platzierungen 4 bis 9 sind völlig offen, Abstiegskandidaten zu benennen ist schwer.“ Im Rennen sind die Aufsteiger TSV Pfungstadt, TV 1880 Käfertal sowie Nachrücker TV Unterhaugstett, dazu FSV Hirschfelde, TV Obernhausen und SV Tannheim.

„Wir wollen den Flow der Hallenrunde mit dem Meistertitel mitnehmen“, sagt Elke Schöck. Das Gesicht ihrer Mannschaft hat sich nicht sehr verändert – abgesehen von einer Lücke: Nach dreijährigem beruflichen Intermezzo in Süddeutschland und dem Titelgewinn mit dem TSV Calw kehrt Welt- und Europameisterin Annika Bösch in ihre nordische Heimat, zum TV Jahn Schneverdingen, zurück. Doch den Calwer Fans muss nicht Bange sein: Gerade in der Defensive hat Elke Schöck die Qual der Wahl aus vielen Talenten, die immer stärker aus der eigenen Jugend drängen und den Arrivierten Druck machen. Wer nicht in der 1. Bundesliga sein Plätzchen findet, darf künftig in der 2. Bundesliga Spielpraxis sammeln, nachdem die Calwer Frauen II aufgestiegen sind.

Im Angriff des Top-Teams ist das Power-Duo Stephanie Dannecker und Henriette Schell gesetzt. Sie haben in der Halle die Szene absolut beherrscht. Die erfahrenen Lisa Kübler (Mitte) und Sandra Janot (Abwehr) werden in Segnitz ebenfalls auf dem Platz stehen. Druck bauen aber mehrere Teenager auf, allen voran Laura Flörchinger und Leonie Pfrommer. Elke Schöck möchte früher oder später auch Anna Winkler und Adina Stoll integrieren, nicht zuletzt kennt Samantha Lubik bestens das Bundesliga-Geschäft. „Ich werde das Geschehen in den beiden Frauen-Teams ganz genau verfolgen und suche nach und nach meine Top-Aufstellung heraus. Eine Stammplatzgarantie gibt es nicht. Ziel ist, immer mit den besten Sieben zu den Spieltagen der 1. Liga zu fahren.“ Soll heißen: Die Etablierten werden sich strecken müssen.

Erfolg macht Freude – und mit Gold um den Hals haben Frauen sowieso am meisten Spaß. Mit dem ersehnten Titelgewinn in der Halle sind die Calwerinnen auf den Geschmack gekommen und nun steigen auch auf dem grünen Rasen die Ansprüche. 2017 brachten sie als Dritte erstmals Edelmetall nach einer Feldsaison mit nach Hause. 2018 folgten die ersten internationalen Auftritte, belohnt mit Platz 4 im Europapokal und dem sensationellen 3. Platz beim Weltpokal. Auch wenn in Ahlhorn bei der DM-Endrunde 2018 schon nach einem Spiel das Aus kam, ist die Tendenz erkennbar: Auch „draußen“ an der frischen Luft schlagen sich die Calwerinnen immer besser.
 

 

11.03.2019
Goldrausch – das Löwenrudel krallt sich den Titel!
Ein Rückblick auf den größten Vereinserfolg


Foto: DFBL

Noch nie setzten die Calwer Bundesliga-Faustballerinnen ihre Pläne so konsequent um: „Goldrausch – Das Löwenrudel krallt sich den Titel 2019! Das war unser Motto zu Beginn dieser Hallenrunde“, berichtete Sandra Janot, die Spielführerin des neuen deutschen Meisters, überglücklich. Auftrag erledigt. Der zweite Teil der Ankündigungen wurde ebenfalls umgesetzt: „Jetzt wird auf der langen Heimfahrt natürlich gefeiert!“ Auf 640 Kilometer Wegstrecke zwischen dem DM-Spielort Moslesfehn bei Oldenburg und der Heimat Calw war genügend Zeit, den großen Triumph mehrmals aufleben zu lassen. Sandra Janot: „Wir haben es so oft versucht, jetzt hat es endlich geklappt. Als Kellinghusen uns im Endspiel den ersten Satz des Turniers abgenommen hat, haben die Knie dann doch noch einmal gezittert. Aber wir wussten, was wir können und haben es dann auch gezeigt.“

 

Der erste DM-Titel bei der 17. Endrunden-Teilnahme: Eine Befreiung für die Mannschaft, für Trainerin Elke Schöck, die Betreuer, Abteilung, Fans, den Verein. Stellvertretend hervorzuheben sind die Welt- und Europameisterinnen: Annika Bösch, die aus Selsingen nach Calw kam und nach ihrem dreijährigen beruflichen Aufenthalt im Schwäbischen wieder in den Norden zieht – mit ihrem ersten DM-Titel. Und Stephanie Dannecker, die herausragende Anführerin. Für beide war es nach größten internationalen Ehren der ersehnte Moment. „Dies ist ein ganz besonderer Titel in meiner Sammlung“, so die Vorzeige-Athletin Dannecker, die mit ihrem kraftvollen, aggressiven Stil den Frauenfaustball überragt. „Wir haben immer wieder Rückschläge und bittere Niederlagen eingesteckt. Diesen Winter aber waren wir über die gesamte Runde souverän und konzentriert. Das konnten wir an diesem Wochenende wiederspiegeln.“

 

In der Tat: Die Vorstellungen der Calwerinnen waren tadellos. Niemand bezweifelte, wer diesen Titel verdient hatte. Zu deutlich die 3:0-Siege in der Vorrunde gegen SV Tannheim (11:5, 11:2, 11:6) und den Nord-Zweiten VfL Kellinghusen (11:3, 11:4, 11:7). Zu dominant das Halbfinale gegen den besten Nord-Verein TV Brettorf, der ebenfalls mit 3:0 (11:5, 11:6, 11:5) vom Platz geschickt wurde. Wer ohne Satzverlust durchmarschiert und maximal sieben gegnerische Bälle pro Durchgang zulässt, ist natürlich Favorit im Finale.

 

Hier zeigte der VfL Kellinghusen, anders als am Vortag, seine Zähne. Die Schleswig-Holsteinerinnen, die im Gegensatz zum sensationell vorzeitig ausgeschiedenen TSV Dennach eher als Außenseiter galten, hatten nichts zu verlieren. Sandra Janot: „Wir waren überrascht von einem ganz anders aufspielenden Team. Aber auch solche brenzligen Situationen überstehen wir heute, anders als noch vor zwei Jahren. Wir konzentrieren uns mehr auf uns als auf die anderen.“ Zwei Sätze lang stand das Spiel auf Messers Schneide, weil VfL-Youngster Vemke Voß in der Abwehr zauberte und Schlagfrau Jacqueline Böhmker immer wieder mit Kurzbällen mittig in die Schnittstelle traf. Dann besannen sich die Schwarzwälderinnen auf ihre Stärken: Lisa Kübler verlegte sich auf die Defensive, Kurzbälle wurden von den schnellen Schlagfrauen abgefangen. Die Stamm-Fünf mit Lisa Küblers starken Zuspielen, den sicheren Abwehrkräften „Tigger“ Bösch und Sandra Janot sowie dem derzeit besten Angriffsduo Deutschlands – Stephanie Dannecker und Henriette Schell – drehte geradezu brutal auf. „Der Express rollt“, schwärmten auch die Kommentatoren im Web-Fernsehen sportdeutschland.tv, das alle Spiele live übertrug. Und so jubelten am Ende die Besten.

 

Für diesen „neuen“ TSV Calw stehen bewährte Kräfte. Auch wenn, wie in der Vorrunde, die jungen Laura Flörchinger (19, Zuspiel) oder U18-Weltmeisterin Leonie Pfrommer (17) standen, geriet der TSV nie unter Zugzwang sondern agierte sicher und stabil. Das harmonische Zusammenspiel in der Offensive verleiht dem Team Sicherheit. Hier die draufgängerische Stephanie Dannecker (26), daneben die souveräne Henriette Schell (20). „Steffi treibt das Team an und sorgt für spektakuläre Zauberbälle, sie übergibt Henny aber immer mehr Verantwortung und die bringt die nötige Coolness und Beständigkeit mit“, so Janot (27), die mit Lisa Kübler (24) das routinierte Rückgrat des TSV Calw bildet. Alles in allem und trotz so großer Erfahrung: ein Team mit Aussicht. Gut möglich, dass dies nicht der letzte Meistertitel war, den dieser Verein feiert.

 

Deutsche Meisterinnen: Stephanie Dannecker, Sandra Janot, Henriette Schell, Annika Bösch, Lisa Kübler, Laura Flörchinger, Leonie Pfrommer; Trainerin: Elke Schöck.

 

Stimmen

Sandra Janot, Spielführerin TSV Calw: „Es war ein unglaubliches Wochenende und das werden wir wohl nie vergessen! Die Stimmung war die komplette Runde super. Wir haben perfekt harmoniert und sehr intensiv gearbeitet – physisch wie psychisch. Auch neben dem Spielfeld haben wir viel Zeit miteinander verbracht, das schweißt zusammen. Wir sind ein total ausgeglichenes Löwenrudel. Egal, mit welcher Aufstellung: es läuft!“

 

Stephanie Dannecker, TSV Calw: „Nein, das war noch nicht mein Abschluss beim TSV Calw. Ich benötige nur eine Pause in der Halle. Beim Europapokal im Januar 2020 in Dennach will ich den TSV Calw aber nochmals unterstützen. In der Feldsaison bleibe ich dem Verein treu, das wird sich nicht so schnell ändern. Es war bisher eine so wundervolle Zeit und ich bin glücklich in meinem ,Rudel‘. Einmal Löwe, immer Löwe!“

11.03.2019
Im Gespräch mit Meister-Trainerin Elke Schöck

Endlich deutscher Meister! Aber es war zu hören, Stephanie Dannecker und Annika Bösch werden Calw verlassen?

Elke Schöck: "Nein. Steffi wird in der Feldrunde weiterspielen. In der nächsten Hallenrunde sieht man dann weiter, denn sie will mit ihrem Partner (Anm. Weltmeister Sebastian Thomas aus Pfungstadt) für drei Monate verreisen und dann hoffentlich rechtzeitig zum IFA-Pokal im Januar zuhause sein. Mit Annika verlieren wir nicht nur spielerisch, sondern auch menschlich eine sehr starke Persönlichkeit. Sie hat immer alles gegeben und war für jeden da. Aber ich freue mich, dass sie wieder in ihrer Heimat Fuß fasst und künftig beim TV Jahn Schneverdingen spielen kann. Sie vermittelte unseren Jugendspielerinnen sehr viel und war ein Vorbild. Auch deshalb rücken einige talentierte Spielerinnen nach."

 

Zum Beispiel Leonie Pfrommer?

"Sie hat bereits in der ganzen Hallenrunde bewiesen, dass sie ganz vorne mitspielen kann. Laura Flörchinger hat sich etabliert. Wir haben auch eine starke zweite Frauenmannschaft. Wer da nachrücken kann, wird sich noch zeigen."

 

Wie geht es ab Mai im Feld weiter?

"Die Mädels haben eine Pause verdient. Anfang April startet dann die Vorbereitung. Natürlich wollen wir uns auch im Feld für die DM, Ende August in Kellinghusen, qualifizieren. Ein Traum wäre, auch dort den Titel zu holen."

 

Gab es bei der DM Stellschrauben zu drehen, oder war es ein Selbstläufer?

"Ein Selbstläufer ist eine DM-Endrunde nie. Aber tatsächlich waren die Mädels so gut aufeinander eingestellt, dass wir während der Spiele nur noch wenig sagen mussten. Wichtig war, die Mädels vor dem Spiel nochmals mental zu stärken und das bis zum Schluss aufrecht zu erhalten."

 

War es eine perfekte Hallensaison?

"Ich kann es kaum glauben, aber so eine Saison habe ich tatsächlich noch nie erlebt. Schon beim Vorbereitungsturnier hat alles gepasst, das hat sich so durch den ganzen Winter gezogen. Wir hatten alle das Ziel vor Augen und gemeinsam daran gearbeitet. Und wir hatten kein Verletzungspech mehr. Danke an unseren Physiotherapeuten Philipp Löwe, der die Mädels fit gemacht und sich jederzeit um sie gekümmert hat. Es war ein Erfolg vieler Menschen, auch unserer treuen Fans. Danke dafür!"