Ein neues Löwinnen-Rudel am Start

06.11.2025

Am Sonntag um 11 Uhr beginnt die Hallen-Bundesliga mit dem Spitzen-Triell in der Walter-Lindner-Sporthalle

 

Von Fenja Stalleckers Performance wird viel abhängen. Foto: Bernhard Kaiser 

 

Bevor am Sonntag die Hallenrunde der Bundesliga-Frauen beginnt, stellen sich die Fans vor allem eine Frage: Bleibt es bei der seit Jahren anhaltenden Dominanz der Vereine TSV Dennach, TSV Calw und TV Segnitz in der Süd-Staffel? Bei der letzten Endrunde um die deutsche Meisterschaft waren diese Teams in Neuenbürg dabei und belegten am Ende auch das Podium in dieser Reihenfolge – vor den drei Nord-Teams. Und diese drei treffen auch gleich zum Auftakt der Liga-Runde in der Walter-Lindner-Sporthalle aufeinander. Los geht’s am Sonntag um 11 Uhr.

 

Für die Calwerinnen wird die Luft in diesem Winter aber dünner – aus zwei Gründen. Erstens: Die Meisterschaft am 28. Februar und 1. März 2026 wird diesmal als „Final Four“ ausgerichtet. Es sind bei Männern und Frauen jeweils nur zwei Startplätze für die Nord- und Südstaffeln statt der üblichen drei zu vergeben. Sehnsuchtsziel ist die 2.200 Zuschauer fassende „SCHARRena“, die in eine Tribüne des Fußballstadions des VfB Stuttgart in Bad Cannstatt integriert ist. Zweitens, und das ist die eigentliche Herausforderung: Das Gesicht des Calwer „Löwinnen“-Kaders hat sich in den letzten Wochen so stark verändert wie noch nie.

 

Eine große Lücke hinterlässt Schlagfrau Henriette Schell. Die mehrfache Welt- und Europameisterin braucht nach langwierigen Schulter- und Knieverletzungen nun endlich eine Genesungspause und wird sich in diesem Winter komplett schonen. Ida Hollmann, ebenfalls Nationalspielerin, ist zu ihrem Heimatverein TV Brettorf nach Niedersachsen zurückgekehrt. Damit nicht genug: Allrounderin Laura Nonnenmann, die in den vergangenen Jahren auf allen Positionen eine große Hilfe war, beendete ihre Karriere. Und Julia Maier schlüpft nun ins Trikot des Lokalrivalen TSV Dennach.

 

Neu im Calwer Team ist hingegen Patricia Lebherz vom TV Unterhaugstett, ein vielseitiges Talent, das eine wichtige Rolle im ausgedünnten TSV-Kader spielen wird. Gewehr bei Fuß steht weiterhin Elisa Becht in der Abwehr. Fenja Stallecker hatte in den vergangenen Spielrunden immer mehr die Verantwortung als Hauptangreiferin übernommen – mit Erfolg. Von ihr wird in dieser Runde viel abhängen. Samantha Lubik und Leonie Pfrommer bleiben in der Abwehr bzw. im Zuspiel erhalten, und die im letzten Sommer gekommene Nadine Maisenbacher hatte in der Feldrunde viel Stabilität ins Team gebracht.

 

Nicht nur die neue Spielerinnen-Formation muss sich erst einmal finden. Auch als Trainer wurde ein Neuling gewonnen: Der erfahrene frühere Bundesliga- und Nationalspieler Rolf Schlotter vom Spvgg Weil der Stadt wird neue Impulse setzen. „Wir sind motiviert und freuen uns, dass es losgeht“, berichtet Kapitänin Leonie Pfrommer. Mit Spaß und Kampfgeist wollen die Calwerinnen die Abgänge kompensieren und auch in dieser Saison oben mitspielen.

 

Doch ob es erneut für eine DM-Teilnahme reicht? Möglicherweise nicht, da der TSV Dennach und TV Segnitz – die Auftaktgegner am Sonntag – die gewohnte Kontinuität in ihren starken Kadern haben. Es wäre allerdings auch kein Beinbruch, wenn es diesmal nicht klappen würde. Nur schade um eine grandiose Serie: Bei den letzten 15 Hallen-Endrunden war der TSV Calw immer dabei (27 seit 2010 inklusive Feld). Zwei Titel und zahlreiche Medaillenränge und unvergessliche Momente sprangen dabei heraus. So wie im Vorjahr, als sie Silber in der Halle und Bronze im Feld ernteten.

 

Fazit: Abgesehen von leichten Verschiebungen sind in der Liga keine ganz großen Überraschungen zu erwarten. Im Abstiegskampf werden sich vor allem der TV Unterhaugstett und Aufsteiger TV SW-Oberndorf behaupten müssen. Im Tabellenmittelfeld ist ein Hauen und Stechen von TSV Pfungstadt, TV 1880 Käfertal, TV Stammheim und TSV Ötisheim zu erwarten. Und Top-Anwärter auf das Final Four sind die Teams aus Dennach und Segnitz. Die Calwerinnen laufen unter „mal sehen, was kommt“. Es bleibt spannend.