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Happy End für den TSV Calw

19.02.2024

Ein unvergessliches Faustball-Wochenende in der Walter-Lindner-Sporthalle endet mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft.

 

Ende gut, alles gut. Nach einem Wochenende mit großen Glücksgefühlen am Samstag und einer herben Enttäuschung am Sonntagvormittag endete die deutsche Faustball-Meisterschaft der Frauen in Calw mit dem hochverdienten 3. Platz für den TSV Calw. Titelverteidiger TV Jahn Schneverdingen besiegte im Niedersachsen-Finale den Ahlhorner SV, der TSV Dennach ging leer aus.

 

Am Samstag zeigten sich die Calwerinnen von ihrer besten Seite, am Sonntag von ihrer kämpferischsten.

 

Foto: Roland Wurster

 

TSV Calw – Ohligser TV 3:0 (11:9, 12:10, 11:7)

Wie stark war das denn? Die „Löwinnen“ besiegen zunächst ihre anfängliche Nervosität vor dem euphorischen Heim-Publikum, dann den Ohligser TV und später Titelverteidiger und Weltpokalsieger TV Jahn Schneverdingen – jeweils klar mit 3:0. Im Sauseschritt zogen sie ins Halbfinale am Sonntag ein. „Das war ein Bilderbuchstart in die Meisterschaft zuhause“, freute sich Samantha Lubik, die in der Mitte am Samstag zwei ganz starke Spiele ablieferte, nach getaner Arbeit. Ein Sonderlob hatte sich vor allem auch Angreiferin Henriette Schell verdient. Nach ihrer mehr als halbjährigen Verletzungspause mit Schulter-Operation und nur allmählicher Aufbauphase in dieser Hallenrunde war die Weltmeisterin und World-Games-Siegerin nun fast wieder bei 100 Prozent. Sie wurde in beiden Spielen der Calwerinnen am Samstag von der Jury zum „Player of the Match“ gewählt.

Vor über 500 Zuschauern im Hexenkessel Walter-Lindner-Sporthalle lief es für den DM-Gastgeber aber zunächst nicht rund. Gleich bei der ersten Kurz-Angabe von OTV-Schlagfrau Kaja Hutz krachten die Angreiferinnen Henriette Schell und Laura Glauner beim Rettungsversuch zusammen. Zum Glück konnten beide weiterspielen. Die „Löwinnen“ wirkten aber fahrig und nervös, lagen mit 2:6 Bällen hinten. Doch nach einer Auszeit steigerten sie sich deutlich, holten Ball um Ball auf und sicherten sich den wichtigen ersten Satzgewinn.

Der Ohligser TV wechselte die großgewachsene Angreiferin Jaqueline Börste ein, führte nach ausgeglichenem Satzverlauf plötzlich mit 10:8 – und konnte den Ausgleich doch nicht holen. Vier Punkte von Calw, drei davon durch Henny Schell, sorgten für den 2:0-Vorsprung gegen das Team aus dem Solinger Stadtteil Ohligs. Die Gäste fanden kein Mittel mehr gegen die vor Spielfreude sprühende Heimmannschaft. Für den Gast aus Westfalen, der zuvor schon Jahn Schneverdingen 1:3 unterlegen war, bedeutete dies das frühe Aus und für Calw den vorzeitigen Halbfinaleinzug. Neben der pfeilschnellen Samantha Lubik hatten sich auch Leonie Pfrommer und Ida Hollmann vor den Augen von Bundestrainerin Eva Krämer in der Abwehr ausgezeichnet. Henriette Schell dominierte die Begegnung und hatte mit Laura Glauner eine solide, vielbeschäftigte Zweitschlägerin als Support.

 

TV Jahn Schneverdingen – TSV Calw 0:3 (4:11, 10:12, 4:11)

Bevor der TSV Calw auf Weltpokalsieger, Titelverteidiger und Top-Favorit Schneverdingen traf, hatte es neben Ohligs auch den TSV Dennach bereits erwischt. In der ausgeglichenen Gruppe B unterlagen die „Pink Ladies“, denen man einen Finaleinzug zutrauen musste, dem Südmeister TV Segnitz und Ahlhorner SV jeweils mit 1:3 Sätzen.

Die Calwerinnen hingegen zeigten sich in ihrem zweiten Spiel sofort auf der Höhe – es ging um den Gruppensieg als Motivationsschub für die Medaillenentscheidungen. In der rechten Abwehr zeigte sich nun Kapitänin Sandra Janot ganz stark, Ida Hollmann rückte nach links. Erneut hielt Samy Lubik die Mitte dicht. Der TV Jahn war sichtlich überrascht von der Stärke der Calwerinnen und konnte nur im zweiten Satz wirklich Gegenwehr leisten. Doch wenn es drauf ankam, war Henriette Schell zur Stelle. Im letzten Satz wechselte Trainerin Melanie Münzenmaier Laura Flörchinger ein, um eine neue Variante auf höchstem Niveau auszuprobieren. An der Dominanz des TSV Calw änderte sich nichts.

„Eigentlich gibt es die ungeschriebene Regel, dass man nicht zwei Mal den gleichen Player of the Match auszeichnet, aber Du hast der Jury keine andere Wahl gelassen“, meinte Hallenmoderator Christian Gillmann im Siegerinterview mit Henriette Schell. Die hatte sich ihre neuerliche Auszeichnung samt Sektflasche redlich verdient. Geöffnet werden sollten die Pullen natürlich erst am Sonntag – am liebsten, wenn eine Medaille um den Hals baumelt.

 

Stimmen zum Samstag

Sonja Pfrommer, TSV Dennach: „Wir kamen nicht in bester Verfassung nach Calw. Maya Mehle war fiebrig und konnte nur kurz spielen. Ich war letzte Woche krank und konnte das einfach nicht kompensieren. Spielertrainerin Anna-Lisa Aldinger war auf Fortbildung, im Faustball geht der Beruf nun mal vor. Wir sind vorne nicht ins Rollen gekommen. Unsere Abwehr hat einen tollen Job gemacht und gekämpft, das Zuspiel war nicht sehr konstant, das können wir besser. Man muss sagen: Die Gegner waren diesmal einfach besser.“

Samantha Lubik, TSV Calw: „Das war ein Bilderbuchstart in die deutsche Meisterschaft zu Hause. Anfangs haben wir mit großer Nervosität gekämpft vor diesem Riesenpublikum. Die erste Auszeit bei 2:6-Rückstand hat gutgetan. Jeder hatte bereits seine ersten Ballberührungen gehabt und wir konnten neu starten. Das haben wir super gemacht und dann ist es einfach gelaufen.“

Melanie Münzenmaier, Trainerin TSV Calw: „Gegen den Ohligser TV waren wir vor der großen Kulisse zuhause anfangs sehr nervös, aber wir haben uns stark reingekämpft. Vor dem Turnier hatten wir nicht so recht gewusst, wo wir stehen. Wir haben den schwierigen Start gut weggesteckt und uns einfach immer auf den kommenden Ball fokussiert. Henny (Henriette Schell) war richtig gut und Samy (Samantha Lubik) stark in der Mitte, auf der Linie und im Zuspiel. Gegen Schneverdingen ging es um nichts, aber wir wollten den Schwung aus dem ersten Spiel mitnehmen. Später konnten wir ein wenig ausprobieren mit Laura Flörchinger vorn. Am Sonntag gilt’s und es geht wieder bei Null los.“

 

„Episches Halbfinale“ hauchdünn verloren

Bei prächtiger Stimmung in der proppenvollen Walter-Lindner-Sporthalle am Sonntagmorgen trafen die Calwerinnen auf den Ahlhorner SV, der sich tags zuvor gegen den TSV Dennach in bestechender Form präsentierte. Nach einem schwachen Start der erneut sehr nervösen Heimmannschaft entwickelte sich ein Match, das der Redakteur des Nationalverbands Faustball Deutschland als später „episches Halbfinale“ betitelte. In einem Spiel mit Endspielcharakter waren die Calwerinnen insgesamt um einen einzigen Ball unterlegen und gratulierten den Niedersächsinnen nach rund zweistündigem kraftraubenden Duell zum letztlich verdienten Sieg.

 

TSV Calw – Ahlhorner SV 2:3 (6:11, 8:11, 11:8, 11:5, 13:15)

Die Nordlichter aus dem Landkreis Oldenburg hatten es anfangs leicht, die Calwer zu dominieren. Mit zahlreichen Anspielen auf Henny Schell nahmen sie die gefürchtete Nationalangreiferin aus der Begegnung. Ahlhorns Angriffsduo mit Mieke Kienast und der unspektakulär, aber intelligent und variabel schlagenden Jordan Nadermann beherrschte das Spiel. Calw konnte nicht genügend Druck aufbauen und gab die ersten Sätze deutlich ab.

Mit den auf der rechten Seite eingewechselten Sandra Janot und Zuspielerin Laura Flörchinger vorne drehte sich der Wind. Der TSV konnte Henny Schell nun in Szene setzen und glich nach Sätzen aus. Der entscheidende fünfte Durchgang wurde zum Nervenkrimi. Calw führte 4:1, kassierte den Ausgleich zum 5:5 und mit knapper Führung (6:5) wurden die Seiten letztmals gewechselt. ASV-Trainerin Janna Köhrmann hatte nun ebenfalls ihre Offensive umgebaut und mit Weltmeisterin Michaela Grzywatz ebenfalls eine schnelle Zuspielerin nach vorn beordert. Calw musste bei 9:10 einen Matchball abwehren – Henriette Schell mit spektakulärem Preller. Zwei eigene Chancen, das Match zu entscheiden, vergab Calw allerdings mit vermeidbaren Abwehrfehlern – ganz bitter. So kam Ahlhorn ein letztes Mal zurück – und die in dieser Phase überragende Jordan Nadermann verwandelte mit einem langen krachenden Schlag den dritten Matchball zum 15:13.

 

Happy End

Im zweiten Halbfinale unterlag auch der andere Gruppen-Erste des Vortags, TV Segnitz, gegen eine Nordmannschaft – Schneverdingen – mit 1:3 Sätzen. Entsprechend enttäuscht waren die Mainfränkinnen, die mit einem stimmgewaltigen Fanclub anreisten. Nach kurzer Verschnaufpause traten die Süd-Teams zum „kleinen“, aber umso lauteren Finale an.

 

TV Segnitz – TSV Calw 2:3 (11:7, 15:14, 7:11, 7:11, 8:11)

Das Zwei-Stunden-Match mit Ahlhorn war dem Heimteam anzumerken. Alle Akteurinnen auf dem Platz mussten dem anstrengenden Turnier Tribut zollen. Bei den Calwerinnen stimmten die Abläufe nicht mehr, die Bälle kamen nur mühevoll und ungenau nach vorn. Henriette Schell, die am ganzen Wochenende den Löwenanteil der Angriffsarbeit erledigen musste, tat sich zunehmend schwer zu punkten. Die Luft war scheinbar raus. Als auch der zweite Durchgang mit dem knappsten aller Ergebnisse zugunsten des TV Segnitz endete, sah mancher schon das Spiel gelaufen. Der TV Segnitz agierte sauber in der Abwehrarbeit und mit einer herausragenden Schlagfrau Svenja Schröder.

Doch dann wendete sich das Blatt und die „Löwinnen“ zeigten einmal mehr ihre Krallen und Kämpferqualität. Mit Laura Flörchinger vorn rechts und einer eindrucksvoll aufspielenden Henny Schell kämpft sich der TSV zurück ins Spiel. Satz drei ging mit 11:7 an das Heimteam, mit demselben Ergebnis wurde dann der Ausgleich perfekt gemacht. Wieder musst der fünfte Satz die Entscheidung bringen – und in dem machte Calw aus einem frühen 1:2 ein deutliches 8:2. Segnitz gelang nur noch Ergebniskosmetik. Gleich den ersten Matchball nutzte Schell zum 11:8. Bronze bleibt in Calw – Ende gut, alles gut.

Der Ahlhorner SV konnte im Finale dem auf allen Positionen hervorragend besetzten Titelverteidiger aus Schneverdingen nicht mehr viel entgegensetzen. Zu viel Körner wurden im Halbfinale gegen Calw liegen gelassen. Die „Heidschnucken“ gewannen mit 3:1 und haben ihren nächsten Meistertitel der Frauen – Nummer 26 in der Vereinsgeschichte – verdient gewonnen. Die einzige Turnierniederlage mussten sie am Vortag gegen Calw einstecken.

Nach dem feierlichen Abspielen der Nationalhymne schloss Stephanie Thomas, Vorstand Sport im nationalen Verband Faustball Deutschland, am Sonntagnachmittag die Veranstaltung. So lange dieses Turnier vorbereitet wurde, so schnell war es vorbei – es wird als herausragendes Sportwochenende für die Stadt und den TSV in die Geschichte Calws eingehen.

 

Sandra Janot, Kapitänin TSV Calw, zieht Bilanz:

„Ich glaube, ich habe noch nie so gezittert wie an diesem Wochenende. Ich bin unfassbar stolz auf meine Mannschaft. Jede Einzelne, egal ob auf oder neben dem Spielfeld, war zum Saisonhöhepunkt auch mit der Leistung voll da. Der erste verlorene Satz im Halbfinale gegen Ahlhorn war ganz klar der Nervosität geschuldet. Ich dachte schon das wird heute nichts. Aber dann haben wir nach dem unglücklichen zweiten Satz wieder unseren Spirit gezeigt. Am Ende ging es hopp oder top, da hatten wir das Nervenflattern mit Fehlern in der Abwehr, leider auch von mir. Dass es uns dann gelungen ist, das Spiel um Platz 3 gegen Segnitz – erneut mit einer Riesenmoral – zu drehen und zu gewinnen, das macht mich einfach überglücklich und stolz.“

Interview mit Eva Krämer

13.02.2024

 

„Ich erwarte Faustball auf Spitzenniveau“

 

Die Nationaltrainerin der Frauen freut sich auf die deutsche Meisterschaft in Calw

 

 

Bundestrainerin Eva Krämer. Foto: Uwe Spille

 

 

Eva, bitte stelle dich kurz den Faustballfans und DM-Besuchern vor, die Dich bisher nicht näher kennen. Welchen Beruf übst du aus, und gibt es – neben Faustball – noch weitere Hobbys?

Ich bin Lehrerin für Mathematik, Sport und Spanisch und gehe in der Freizeit gerne zum Skifahren oder Mountainbiken.

 

Wie ist deine sportliche Karriere verlaufen?

Von klein auf habe ich beim TSV Niedernhall gespielt. Zunächst in den Jugendmannschaften, ab dem Alter von 15 Jahren im Bundesliga-Team. Parallel habe ich die U18-, U21- und Frauen-Nationalmannschaften durchlaufen. 2014 habe ich meine internationale Karriere beendet, 2018 dann auch die aktive Laufbahn in Niedernhall.

 

Dann kam der Wechsel an den Spielfeldrand?

Nach der Weltmeisterschaft 2014 hatte mich die damalige Bundestrainerin Silke Eber angesprochen, ob ich sie als Co-Trainerin unterstützen möchte und ab 2015 war ich dann dabei. Nach Silkes Rücktritt habe ich 2023 den Posten der Bundestrainerin übernommen.

 

Letzten Sommer gelang ja dann auch gleich die Verteidigung des EM-Titels in Österreich. Wer unterstützt Dich bei der Arbeit?

Ruben Schwarzelmüller wird künftig als Co-Trainer dabei sein. Anna-Lisa Aldinger vom TSV Dennach unterstützt uns im U21-Bereich. Zudem ist Miriam Schuldt als Physiotherapeutin und Stephanie Thomas als Ansprechpartnerin und Organisatorin im Verband dabei.

 

Welche internationalen Highlights stehen in naher Zukunft im Kalender?

Zwei richtig große Turniere – im November dieses Jahres die Frauen-Weltmeisterschaft in Argentinien und im August 2025 die World Games im chinesischen Chengdu. Auf diesen Events liegt unser Fokus.

 

Nach den World Games 2022 in den USA, wo Deutschland als Welt- und Europameister erneut seiner Favoritenrolle gerecht wurde, sind neben Cheftrainerin Silke Eber auch erfahrene Sportlerinnen ausgeschieden. Wie gelingt dir der Wechsel zur Cheftrainerin angesichts des personellen Umbruchs?

Das war schon ein gewaltiger Umbruch. Sechs Leistungsträgerinnen, die in den acht bis zehn Jahren davor das Bild und den Erfolg des Nationalteams prägten, sind in den ,Nationalmannschafts-Ruhestand‘ gegangen. Es war ein ungewohntes Bild, auf die Kaderliste 2023 zu schauen. Das Leistungsvermögen der Mannschaft war schwer einzuschätzen. Spielerische Klasse haben wir nach wie vor, aber jede Spielerin muss sich erstmal in ihre neue Rolle finden. Wir hatten 2023 eine sehr gute Mischung aus erfahrenen Spielerinnen, die bisher eher in der zweiten Reihe standen, und ganz jungen, talentierten Spielerinnen, die frisch aus der U18/U19 gekommen sind. Für jede bot sich eine neue Chance, alle waren von Beginn an motiviert bei der Sache. Das hat mir den Übergang erleichtert.

 

Welche Ziele verfolgst du bezüglich sportlicher Weiterentwicklung?

Der personelle Umbruch wird uns noch weiter beschäftigen. Wir haben das bislang gut gemacht und uns mit dem EM-Titel belohnt. Wir konnten befreit aufspielen und manchmal ist der erste Schritt leichter als die weiteren. Erwartungen und der Druck werden steigen. Es geht nun darum, an den Herausforderungen zu wachsen, das spielerische Niveau zu steigern und auch unter schwierigen Bedingungen konstante Leistungen abzurufen. Da sehe ich Entwicklungspotential.

 

Wichtige Entscheidungen für Nationalmannschaften fallen in der Feldrunde auf Rasen statt Hallenboden. Was macht eine Bundestrainerin zwischen Oktober und April?

Es ist richtig, dass unsere Lehrgänge, Meisterschaften und Länderspiele im Normalfall im Sommer stattfinden. Ab August/September laufen aber bereits die Vorbereitungen für das kommende Jahr: Terminplanung, Organisation von Lehrgangsmaßnahmen und Events, Kontakt mit potenziellen Ausrichtervereinen, Erstellen von Kaderlisten, Reiseplanungen und so weiter. Zudem nutzen wir die Hallen-Spielzeit für Sichtungen und halten Kontakt zu den Spielerinnen.

 

Welchen Stellenwert hat die Hallenrunde hinsichtlich des Nationalkader-Scoutings?

Es ist schon so, dass sich das Faustballspiel in der Halle und auf dem Feld unterscheiden im Hinblick auf die Spielaufstellung, taktische Ausrichtung, äußere Bedingungen und Spielfeldgröße. Eine Hallen-Spezialistin spielt nicht automatisch auch im Feld auf Top-Niveau und umgekehrt. Es lässt sich aber auch im Hallen-Faustball erkennen, ob eine Spielerin die technischen Voraussetzungen, das taktische Spielverständnis, die Athletik besitzt und damit grundsätzlich für den Nationalmannschaftskader in Frage kommt. Von daher nutzen wir auch die Hallenrunde zur Sichtung.

 

Dann wirst du auch in Calw dabei sein?

Ja, ich werde die Meisterschaft natürlich vor Ort verfolgen.

 

Was erwartest Du von dem Turnier in der Walter-Lindner-Sporthalle?

Die Calwer Faustball-Abteilung ist dafür bekannt, dass sie solche Meisterschaften mit sehr viel Herz und vollem Elan organisiert. Zudem gehe ich davon aus, dass die Halle voll sein wird und die Stimmung vor allem bei den Spielen der Heimmannschaft ,beben‘ wird. Vom Sportlichen erwarte ich, dass die sechs teilnehmenden Mannschaften Faustball auf Spitzenniveau bieten werden.

 

Alle teilnehmenden Teams in Calw haben DM-Erfahrung. Mannschaften wie die aus Schneverdingen, Ahlhorn, Dennach und Calw sind seit über zehn Jahren praktisch immer qualifiziert und dominieren das Geschehen im Frauenfaustball. Wieso tun sich andere Vereine so schwer?

Das ist nicht ungewöhnlich. In den letzten Jahrzehnten haben eigentlich immer Mannschaften über Jahre hinweg die Bundesligen dominiert. Ausreißer, also Teams, die mal für ein, zwei Jahre zur DM gefahren sind und dann wieder verschwunden sind, gab es selten. Das hängt mit der Grundstruktur im Faustball zusammen: Die meisten Spielerinnen sind ihren Vereinen eng verbunden, teilweise ab der Kindheit und Jugend. Vereinswechsel kommen nicht in der Regelmäßigkeit und Kürze vor wie in anderen Sportarten. Das gilt auch für Leistungsträgerinnen.

 

In den vergangenen Jahren war das Leistungsvermögen von Nord- und Süd-Teams etwa gleichauf…

Ja, wir haben in beiden Bundesligastaffeln starke Mannschaften. Mit Schneverdingen und Ahlhorn haben wir Vereine, die in den letzten Jahren regelmäßig Medaillen bei Deutschen Meisterschaften gewonnen haben. Schneverdingen hat zuletzt das World Tour Finale gewonnen und Dennach den Champions Cup. Ich würde es als offenes Rennen zwischen Nord und Süd sehen.

 

Und wer ist dein DM-Favorit?

Eine Mannschaft als Favorit herauszuheben ist schwer. Schneverdingen und Dennach sind nach dem World Tour Finale verspätet in die Hallenrunde gestartet und haben sich zunächst schwer getan. Aber allein schon wegen ihrer Erfolge in der Vergangenheit ist mit diesen beiden Vereinen zu rechnen. Auch Calw ist in der Hallenrunde immer für eine Medaille gut. Aber ich traue auch den anderen Vereinen zu, sich in die Medaillenplätze zu spielen.

Vielen Dank, Eva, viel Spaß und gute Erkenntnisse in Calw!

Bereit für die Meisterschaft zuhause

04.02.2024

Mit zwei klaren Siegen beenden die Faustballfrauen des TSV Calw eine starke Bundesliga-Runde

 

Foto: Kurze Pause und dann geht’s um DM-Edelmetall. Von links: Laura Glauner, Henriette Schell, Samantha Lubik. Foto: R.Wurster.

 

Die Würfel sind gefallen: Das Top-Trio der 1. Bundesliga Süd gewann am Sonntag jeweils seine Spiele: Der TV Segnitz, TSV Calw und TSV Dennach bereiten sich nun auf die Endrunde zur deutschen Meisterschaft in der Calwer Walter-Lindner-Sporthalle (17./18. Februar) vor. Der TV Stammheim begleitet den SV Energie Görlitz als Absteiger in die 2. Bundesliga.

TV 1880 Käfertal – TSV Ötisheim 1:3 (5:11, 11:8, 7:11, 8:11); TSV Calw – Käfertal 3:0 (11:6, 11:7, 11:2); Ötisheim – Calw 1:3 (7:11, 6:11, 14:12, 7:11)

Das war überraschend: Die Käfertalerinnen, in einer bislang starken Saison auf Platz 4 hinter Dennach gelegen, konnten in Mannheim ihren Heimvorteil nicht nutzen und unterlagen dem TSV Ötisheim. Damit waren die letzten DM-Träume schon nach dem ersten Spiel des Tages geplatzt. Nicht nur die eigenen Fans hatten dem Team um die Angreiferinnen Marie Hodel und Franzi Habitzreither mehr zugetraut. „Bei uns lief’s leider auf allen Positionen gar nicht gut“, gab Käfertals Mittespielerin Yasmin Yasin später zu Protokoll. „Wir haben deutlich unter dem Niveau gespielt, das wir können, und beide Spiele verdient abgegeben.“

Ganz anders der TSV Calw: „Wir waren von Anfang an konzentriert auf dem Spielfeld, standen gut in der Abwehr und konnten unsere Angreiferin Henriette Schell in Position bringen“, berichtet Mitte-Spielerin Samantha Lubik. Sie leistete mit Kapitänin Sandra Janot und Ida Hollmann ganze Arbeit in der Defensive. Henriette Schell und Laura Glauner waren fürs Punkten zuständig. Die Begegnung mit den Kurpfälzerinnen glich eher einem Trainingsspiel als der erwarteten Herausforderung. Im dritten Satz durften Laura Flörchinger und Leonie Pfrommer ran, das 11:2 für Calw unterstrich die Souveränität der Calwerinnen.

Gegen Ötisheim konnten Trainerin Melanie Münzenmaier und Betreuer Maximilian Lutz mehrere Aufstellungsvarianten ausprobieren, auch Fanny Hopp kam zum Zug. Nach ein paar Unsicherheiten konnte sich „Aize“ mit der früheren Weltklasse-Angreiferin Marie-Therese Rothmaier Satz 3 krallen, am Ende fuhr aber der Favorit einen erneut sicheren Sieg ein.

Die Frauen des TSV Calw haben nun ein paar Tage Zeit bis zum Saison-Highlight vor heimischem Publikum. Samy Lubik: „Wir trainieren wie gewohnt weiter, mit einem zusätzlichen Trainingstag am nächsten Samstag.“ Eine Woche später geht es um die DM-Medaillen. In den Gruppenspielen am 17. Februar steht Calw zwei Nord-Vereinen gegenüber: dem Ohligser TV aus Solingen sowie dem TV Jahn Schneverdingen, Meister im Vorjahr und Top-Mannschaft der 1. Bundesliga Nord.

SV Energie Görlitz – TSV Dennach 0:3 (8:11, 6:11, 7:11); Dennach – TV Unterhaugstett 3:0 (11:8, 11:2, 11:7); Görlitz – Unterhaugstett 3:2 (11:8, 11:3, 5:11, 4:11, 11:5)

Ohne die erfahrene Schlagfrau Conny Musch, das zeigte sich auch am letzten Spieltag der Saison, tut sich der TV Unterhaugstett schwer. Zur Freude des SV Energie Görlitz, der sich als Absteiger letztmals dem heimischen Publikum in der 1. Bundesliga präsentieren durfte. Die Sächsinnen feierten mit dem Sieg gegen den TVU den zweiten Erfolg in dieser Saison und einen versöhnlichen Abschluss. Glück für Unterhaugstett: Die Niederlage blieb ohne Folge, da der TV Stammheim im Fernduell seinerseits zweimal verlor und damit nicht mehr an Unterhaugstett vorbeizog. Für den TSV Dennach lohnte sich die lange Reise an die Neiße, denn die „Pink Ladies“ erfüllten ihre Pflicht und sicherten sich die DM-Teilnahme.

TV Segnitz wirft seinen Hut in den DM-Ring

22.01.2024

Calw unterliegt, die Fränkinnen qualifizieren sich für die Faustball-Meisterschaft. Der eigentliche Verlierer des Bundesliga-Spieltags ist der TSV Dennach.

 

Die Bundesliga-Runde der Faustballfrauen biegt auf die Zielgerade ein. Die Fieberkurve steigt – sowohl in der Abstiegszone, als auch im Kampf um die Tickets zur Meisterschaftsendrunde am 17./18. Februar in Calw. Beim Spitzenspieltag in Neuenbürg hatten viele Beobachter erwartet, dass Gastgeber TSV Dennach nach trägem Saisonstart seiner Favoritenrolle gerecht wird. Doch es waren die Mainfränkinnen vom TV Segnitz, die sowohl gegen den TSV Calw, als auch gegen die Dennacher „Pink Ladies“ gewannen und ihren Top-3-Rang in der Südstaffel vorzeitig sicherten. Da Calw als Gastgeber gesetzt ist, bleibt nur noch ein Qualifikationsplatz, und den muss Dennach nun noch gegen Verfolger TV 1880 Käfertal verteidigen.

TSV Dennach – TSV Calw 3:0 (11:3, 11:4, 11:6); TSV Calw – TV Segnitz 1:3 (4:11, 6:11, 11:3, 9:11); TSV Dennach – TV Segnitz 1:3 (8:11, 11:9, 13:15, 10:12)

Der mit Spannung erwartete Schlagabtausch dreier herausragender Angreiferinnen – Sonja Pfrommer (Dennach), Henriette Schell (Calw) und Svenja Schröder (Segnitz) – fiel weitgehend aus. Grund war eine Erkältung von „Henny“ Schell, die es zeitweise und vergeblich auf dem Spielfeld probierte. „Wir waren geschwächt. Mehrere Spielerinnen waren angeschlagen, vor allem Henriette“, berichtete Laura Glauner, die als Zweitangreiferin zeitweise die Hauptrolle einnehmen musste. Die Calwerinnen waren weitgehend chancenlos, gewannen aber immerhin Satz 3 gegen Segnitz und hielten den letzten Durchgang lange offen. „Aber es hat einfach nicht gereicht. Segnitz und Dennach haben verdient gegen uns gewonnen“, so Glauner.

Das Team aus Segnitz unterstrich indes vor allem im Spitzenduell mit Gastgeber Dennach, dass es mehr sein kann als ein Geheimtipp für einen Podiumsplatz bei der deutschen Meisterschaft. Abwehrspielerin Tatjana Müller: „Wir traten selbstbewusst auf, wir waren in der entscheidenden Phase sehr kämpferisch und setzten Dennach unter Druck.“

Auch der TSV Calw hofft bei der Endrunde Mitte Februar vor Heimpublikum auf einen schönen Erfolg. „Jetzt müssen wir aber erst mal alle wieder richtig fit werden“, so Laura Glauner. „Wir werden in den letzten Spielen der regulären Runde noch mal Vollgas geben, um mit einem guten Gefühl in unsere DM zu starten.“ Das kann sie mit ihren Kameradinnen schon am Sonntag (11 Uhr) in der Walter-Lindner-Sporthalle beweisen. Zu Gast sind der TV Unterhaugstett und der TSV Pfungstadt. Apropos Unterhaugstett: Das Team um die Sauerbrunn-Schwestern Julia und Vera musste bittere Niederlagen gegen Käfertal (0:3) und vor allem gegen Abstiegskandidat TV Stammheim (2:3) einstecken. Die Stuttgarterinnen liegen daher nur noch zwei Zähler hinter dem TVU auf Platz 7, ebenso wie Ötisheim auf Abstiegsplatz 8. Keine Rettung mehr gibt es für den SV Energie Görlitz, der trotz seines ersten Saisonsiegs (3:1 gegen Ötisheim) ins Unterhaus zurückkehren muss.