Dreckiger Sieg für den TSV Calw

21.12.2025

Faustball-Bundesligist behält in einem hektischen Duell mit dem TV SW-Oberndorf einen kühlen Kopf und rückt in die Top-4 der Tabelle vor.

(Fotos von Roland Wurster, siehe unten)

 

Mit einem 5:3-Sieg nach keineswegs schönem Spiel, aber intensivem Abnutzungskampf drückt der TSV Calw dem unbequemen TV SW-Oberndorf die rote Laterne in die Hand. Der Bundesliga-Dino aus Schweinfurt ist nun akut abstiegsgefährdet, während die Hessestädter den TV Waldrennach vom begehrten vierten Rang verdrängen. Diese Platzierung berechtigt nach dem Ende der Vorrunde, Mitte Januar, zur Teilnahme an den Play-off-Spielen, also den Viertelfinals um die deutsche Meisterschaft.

 

TSV Calw – TV SW-Oberndorf 5:3 (8:11, 11:8, 7:11, 11:4, 11:8, 11:6, 5:11, 11:8)

 

Es gibt einen einfachen Grund dafür, dass der Schweinfurter Stadtteilverein TV SW-Oberndorf in diesem Winter einfach nicht auf Touren kommt: Angreifer Maximilian Lutz ist seit Monaten verletzt und der Zwei-Meter-Hüne Oliver Bauer konnte nach Rückenverletzung zuvor erst einmal spielen. In der Walter-Lindner-Sporthalle in Calw trat er nun wieder an, denn der TVO will als Bundesliga-Dino den Abstieg mit aller Macht verhindern – was die Aufgabe für die Calwer Gastgeber umso schwieriger machte.

 

Zunächst stieg der Gast auch stark in die Partie ein. „Gegen die Schweinfurter wissen wir, was auf uns zukommt – und dennoch wurde es von Beginn an wieder hektisch. Wie immer, wenn wir auf diesen Gegner treffen“, berichtete Calws Abwehrspieler Leandro Schmidberger später. Tatsächlich kam sein Team, mit Raphael Schlattinger und Markus Kraut (Angriff), Philipp Kübler (Mitte) und Schmidberger/Marco Stoll in der Defensive, zunächst nicht mit den Franken zurecht. Oliver Bauer und Raphael Schlattinger neutralisierten sich mit ihren Angaben. Zahlreiche Blockaktionen sorgten für Aufregung. Zur Mitte des Satzes setzte sich der TVO, gelenkt vom Weltklasse-Spielmacher Fabian Sagstetter, ab und ging in Führung.

 

Im zweiten Durchgang drehte Calw einen 2:3-Ballrückstand in ein 6:3 – besser: die Oberndorfer brachten sich mit vier Angabenfehlern um die Möglichkeit, auch diesen Satz für sich zu entscheiden. Bis 8:8 kamen sie noch heran, dann drehten Markus Kraut und Raphael Schlattinger auf. Sicherheit gab der 1:1-Satzausgleich den Calwern aber nicht. Im Gegenteil: 1:7 lagen sie im dritten Satz zurück, kamen bis 7:9 heran, doch der Gast ging mit 2:1 Sätzen in Führung.

 

Die obligatorische 10-Minuten-Pause (immer nach drei gespielten Sätzen) nutzten die Calwer, um sich zu sortieren und den Reset-Knopf zu drücken. Denn nun waren sie das spielbestimmende Team, gewannen die drei folgenden Durchgänge klar. In dieser Phase bekamen die Zuschauer umkämpfte, spannende Ballwechsel zu sehen, meist mit dem besseren Ende für die Heimmannschaft. Kurz vor der zweiten Pause, zum Ende des sechsten Satzes, versuchte es Bauer einmal mehr mit der Brechstange gegen Schlattinger, doch dabei brach die Verletzung des Hünen wieder auf. Mit der 4:2-Satzführung im Rücken schien der TSV Calw klar auf der Siegerstraße, doch der für Bauer eingewechselte Hauptangreifer Nico Bitsch und die starke Oberndorfer Defensive hielten das Spiel offen. Die Hypothek eines 0:5-Rückstands konnten die Calwer nicht mehr gutmachen.

 

Im achten Satz sah das Publikum die spannendste Phase der Begegnung. Calws Schmidberger rettete zwei Mal spektakulär und das Offensivduo Schlattinger/Kraut punktete nun souverän. Einen 6:2-Vorsprung ließen sie sich nicht mehr nehmen und der lautstarke Jubel nach Schlattingers Matchball verriet, wie erleichtert der TSV Calw über diesen schweren Sieg war.

 

Janne Habenstein, TV SW-Oberndorf: „Wir waren gut im Spiel und hätten sogar mit 3:0 Sätzen führen können, hätten wir den zweiten Durchgang anfangs nicht verpasst. Oli Bauers Rückenprobleme sind spät im Spiel wieder aufgetreten. Nach seiner Auswechslung sind wir mit gutem Spielaufbau aber wieder herangekommen. Hinten raus lief es dann leider etwas unglücklich. Die drei Satzgewinne können uns im Abstiegskampf noch guttun.“

Leandro Schmidberger, TSV Calw: „Dieses Spiel war reine Nervensache. Wir wussten, was uns erwartet und dennoch haben wir uns anfangs von Fabian Sagstetters hektischem Angabenspiel wieder mal anstecken lassen. Wir waren zu viel mit uns selbst beschäftigt, das Zuspiel war durchwachsen, aber unsere Angreifer waren brutal gut. Ab Satz 4 hatten wir die Begegnung im Griff. Jetzt wollen wir am 10. Januar gegen den TV Waldrennach nachlegen. Ich freue mich auf das Spiel.“

Thomas Stoll, Trainer TSV Calw: „Das war unser insgesamt schlechtestes Spiel der Saison, aber gegen diesen Gegner gewinnst du niemals einen Schönheitspreis. Wir haben davon profitiert, dass Oberndorf vorn nur selten durchkam und einige Angabenfehler hatte.“

 

TSV Calw: Raphael Schlattinger, Markus Kraut, Philipp Kübler, Nick Stoll, Leandro Schmidberger, Marco Stoll.

TV SW-Oberndorf: Oliver Bauer, Robin Göttert, Nico Bitsch, Fabian Sagstetter, Janne Habenstein, Robin Treuheit.

 

Die nächsten Spiele:
10. Januar, 19 Uhr, Walter-Lindner-Sporthalle Calw: TSV Calw – TV Waldrennach
11. Januar, 14 Uhr, Sporthalle Stuttgart-Stammheim: TV Stammheim – TSV Calw
31. Januar: Viertelfinal-Hinspiele und Abstiegsrunde I
7. Februar: Viertelfinal-Rückspiele und Abstiegsrunde II
14. Februar: Hoffnungsrunde gegen den Abstieg (der zweite Absteiger wird ermittelt)
28. Februar + 1. März: Deutsche Meisterschaft Männer und Frauen (je 4 Mannschaften) in Stuttgart-Bad Cannstatt – Scharrena (beim VfB-Fußballstadion)

 

Impressionen – alle Fotos: Roland Wurster